Auswandern als Familie
Auswandern mit Kindern. Das ehrlichste Kapitel, das du lesen wirst.
Mit Kindern auszuwandern ist das Mutigste, was eine Familie tun kann — und das Lohnendste. Aber es verlangt mehr Planung, mehr Ehrlichkeit und mehr Gespräche als jeder Einzelne allein.
Du hast es dir vorgestellt. Die Kinder, die barfuß am Strand laufen. Die Abende auf der Terrasse, wenn alle entspannt sind, weil der Tag sich anders angefühlt hat als die gewohnte Hektik. Das Gefühl, als Familie wirklich Zeit miteinander zu haben — nicht zwischen Schulbus, Terminen und Wochenend-Aktivitäten eingequetscht.
Dieses Bild ist real. Es gibt Familien, die genau so leben. Tausende davon, weltweit. Sie sind ausgewandert — mit einem, zwei, drei Kindern — und berichten rückblickend, dass es die beste Entscheidung ihres Lebens war.
Aber sie sagen auch: Es war nicht einfach. Es war nicht problemlos. Und wer die Herausforderungen vorher nicht kennt, stolpert mitten in das Leben, das eigentlich das beste sein sollte.
Dieser Artikel ist kein Hochglanzbericht. Er ist das ehrlichste, vollständigste Bild, das du über das Auswandern mit Kindern bekommen kannst — damit du weißt, worauf du dich einlässt. Und damit du bereit bist, wenn du es tust.
- 180.000+ deutsche Familien leben dauerhaft im Ausland
Warum Kinder das Auswandern anders erleben als Erwachsene
Erwachsene entscheiden. Kinder erleben. Das ist der fundamentale Unterschied beim Familienauswandern — und er verändert alles, wie du planen, kommunizieren und vorgehen musst.
Du hast Monate, vielleicht Jahre über den Schritt nachgedacht. Du hast Länder verglichen, Budgets berechnet, Visas recherchiert. Dein Kind weiß vielleicht seit drei Wochen, dass ihr umzieht. Und während du aufgeregt bist, verlässt es die einzige Welt, die es kennt: seine Freunde, seine Schule, seinen Fußballverein, das Bett, in dem es aufgewachsen ist.
Das ist keine Kleinigkeit. Es ist ein erheblicher emotionaler Einschnitt — auch wenn es langfristig das Beste ist, was dir als Familie passieren kann. Kinder, die früh ausgewandert sind, berichten als Erwachsene fast ausnahmslos von einem erweiterten Weltbild, einer außergewöhnlichen Anpassungsfähigkeit und einem tiefen Gefühl für kulturelle Vielfalt. Aber in dem Moment, in dem die vertraute Welt verschwindet, brauchen sie Sicherheit — nicht Begeisterung.
„Mein Sohn hat drei Monate lang geschwiegen. Dann hat er Portugiesisch gelernt und nie wieder aufgehört zu reden. Das war das schönste Paradox meines Lebens."
Was Kinder beim Auswandern am meisten braucht: die Gewissheit, dass die Familie zusammen bleibt. Klare Kommunikation über das Was, Warum und Wie. Vorhersagbarkeit im neuen Alltag, sobald er beginnt. Und die ehrliche Erlaubnis, traurig zu sein — ohne dass Eltern das als Anklage gegen ihre Entscheidung werten.
Die deutsche Schulpflicht — was sie im Ausland bedeutet
Hier liegt die erste und wichtigste rechtliche Frage für Familien mit schulpflichtigen Kindern: Deutschland hat eine Schulpflicht. Und diese Schulpflicht hört nicht automatisch auf, wenn du das Land verlässt.
Die Schulpflicht ist in Deutschland Ländersache. Das bedeutet: Bayern hat andere Regeln als Berlin. In den meisten Bundesländern gilt, dass die Schulpflicht erlischt, sobald das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt ins Ausland verlegt — also dauerhaft dort lebt. In einigen Bundesländern muss dies aktiv abgemeldet werden, in anderen geschieht es automatisch mit der Ummeldung.
Wichtiger rechtlicher Hinweis:
Wer mit der Familie ins Ausland zieht, aber das Kind formal noch in Deutschland gemeldet lässt oder die Schulabmeldung vergisst, riskiert in einigen Bundesländern behördliche Probleme. Melde dein Kind aktiv bei der Schule ab und kläre mit dem zuständigen Schulamt, ob und wie die Schulpflicht endet.
Im Zielland: Fast alle Länder haben eine eigene Schulpflicht. Informiere dich über die lokalen Anforderungen — und ob eine internationale Schule, Homeschooling oder lokale Schule die Schulpflicht erfüllt.
Wenn ihr plant, temporär oder auf unbestimmte Zeit auszuwandern und danach eventuell zurückzukehren, lohnt es sich, den deutschen Bildungsanschluss im Blick zu behalten. Das spricht nicht gegen Auslandserfahrung — aber es spricht für einen durchdachten Bildungsplan.
Die drei Bildungswege im Ausland — ein ehrlicher Vergleich
Für Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter ist die Bildungsfrage die zentrale Entscheidung beim Auswandern. Es gibt drei grundlegende Wege — und keiner davon ist für alle Familien der richtige.
Lokale Schule im Zielland
Dein Kind geht in die staatliche oder private Schule des Ziellandes auf der Landessprache, mit lokalen Kindern, nach lokalem Lehrplan.
Privatschule mit internationalem Lehrplan (meist IB — International Baccalaureate) auf Englisch.
Online-Schule & Homeschooling
Das Kind lernt zuhause — über eine strukturierte Online-Schule, über Fernunterricht, oder über einen selbst gestalteten Bildungsplan (Unschooling/freies Lernen).
Online-Schule & freies Lernen — der tiefere Blick
Das Thema, das in Auswanderer-Familien derzeit mehr diskutiert wird als je zuvor: digitale Bildung, Worldschooling und das Konzept des freien Lernens. Es ist kein Nischenthema mehr. Es ist ein echter Bildungsweg — mit echten Möglichkeiten, aber auch mit echten Grenzen.
Was ist Online-Schooling?
Online-Schooling bedeutet, dass ein Kind über eine akkreditierte digitale Schule lernt — mit echten Lehrern, einem strukturierten Lehrplan, regelmäßigen Unterrichtseinheiten per Video, schriftlichen Prüfungen und einem anerkannten Abschluss. Das ist kein YouTube-Lernen. Das ist Schule — nur ohne physisches Gebäude.
Etablierte Online-Schulen für deutschsprachige Familien
Deutschen Fernunterricht (z.B. Humboldt-Fernakademie, Klett-Sprachen): Strukturierter Lernplan nach deutschem Lehrplan. Abschlüsse werden in Deutschland anerkannt. Geeignet für Familien, die planen zurückzukehren.
Internationale Online-Schulen (z.B. FDOS, Wolsey Hall Oxford, Laurel Springs): Englischsprachige Programme mit IB- oder britischem A-Level-Abschluss. Weltweit anerkannt.
Kosten: 200 bis 700 Euro monatlich je nach Alter und Vollzeit/Teilzeit.
Virtuelle Deutsche Auslandsschulen: Das Auslandsschulnetz des Bundesverwaltungsamts listet deutsche Schulen im Ausland, die zum deutschen Abitur führen — und manche davon bieten hybride oder Online-Zugänge.
Khan Academy, Duolingo, IXL Outschool: Ergänzende Plattformen für einzelne Fächer — kein vollständiger Lehrplan, aber mächtige Werkzeuge im Mix eines individuellen Bildungswegs.
Was ist Worldschooling?
Worldschooling ist ein Lebens- und Lernkonzept: Die Welt ist das Klassenzimmer. Kinder lernen durch Reisen, durch echte Begegnungen, durch Kulturvergleich, durch Sprachen, die sie vor Ort aufnehmen, durch Märkte, Museen, Küchen und Handwerker. Strukturierter Unterricht wird mit echten Erfahrungen verwoben.
Worldschooling ist kein Chaos. Es ist — wenn gut gemacht — eine der tiefsten Bildungsformen, die ein Kind erfahren kann. Worldschooler entwickeln typischerweise außergewöhnliche Sprachkenntnisse, hohe emotionale Intelligenz, interkulturelles Verständnis und eine Selbstständigkeit, die sich Gleichaltrige in klassischen Schulsystemen selten aneignen.
„Meine Tochter hat mit neun Jahren auf dem Markt in Marrakesch Dirham gewechselt, auf Arabisch verhandelt und erklärt, warum der Händler einen fairen Preis bekommt. Keine Schule hätte ihr das beigebracht."
Was ist freies Lernen — und wo liegen die Grenzen?
Freies Lernen oder Unschooling geht noch weiter als Worldschooling: Es gibt keinen vorgegebenen Lehrplan. Kinder folgen ihrer eigenen Neugier, unterstützt von Eltern, die als Lernbegleiter agieren statt als Lehrende. Das Konzept basiert auf der Überzeugung, dass Neugier die natürliche Triebkraft des Lernens ist — und dass Strukturzwang sie hemmt.
Das klingt radikal. Es hat aber eine solide pädagogische Basis — und eine wachsende Zahl von Familien, die damit außergewöhnliche Ergebnisse erzielen. Gleichzeitig: Freies Lernen funktioniert nur dann, wenn Eltern aktiv beteiligt sind, wenn die Familie stabil und gut vernetzt ist, und wenn das Kind die emotionale Sicherheit hat, seine eigenen Interessen zu verfolgen.
Rechtliche Realität für Deutsche
In Deutschland ist Homeschooling und freies Lernen illegal. Die Schulpflicht ist verfassungsrechtlich verankert und wird konsequent durchgesetzt. Wer in Deutschland lebt und sein Kind nicht zur Schule schickt, riskiert Bußgelder und im Extremfall das Sorgerecht.
Im Ausland sieht die Lage völlig anders aus: Portugal, Spanien, Thailand, Georgien, Panama, die meisten US-Bundesstaaten und viele weitere Länder erlauben Homeschooling legal — teils ohne jegliche Auflagen. Für auswandernde Familien öffnet sich hier eine Welt, die in Deutschland schlicht nicht existiert.
Länder mit legalem Homeschooling (Auswahl)
Portugal: Homeschooling legal mit jährlicher Prüfungsanmeldung. Sehr beliebt bei deutschen Auswandererfamilien.
Spanien: Rechtlich unklar, aber in der Praxis weitgehend toleriert — regionale Unterschiede beachten.
USA: In fast allen Bundesstaaten legal, teils mit minimalen Anforderungen. Große Homeschooling-Community.
Thailand: Legal mit Genehmigung des Bildungsministeriums. Wächst stark durch digitale Nomaden-Familien.
Georgien: Legal und unkompliziert. Beliebt wegen niedriger Lebenshaltungskosten und liberaler Bildungsgesetze.
Panama, Costa Rica, Mexiko: Homeschooling jeweils mit unterschiedlichen Auflagen legal möglich.
Alter der Kinder — was wann besonders wichtig ist
Kleinkinder & Vorschulalter
Der einfachste Zeitpunkt — mit Bedingungen
Kleinkinder saugen neue Sprachen auf wie Schwämme. Kinder unter fünf Jahren lernen eine zweite oder dritte Sprache in der Regel vollständig ohne Akzent und ohne bewusste Anstrengung — wenn sie genug Kontakt haben. Das ist das biologische Fenster, in dem Mehrsprachigkeit am natürlichsten entsteht.
Gleichzeitig: Kleinkinder brauchen Kontinuität in ihrer primären Bindung — also die Eltern. Solange ihr dabei seid, ist der Ort zweitrangig. Krippen und Kindergärten im Ausland sind in vielen Ländern hervorragend — oft besser als in Deutschland, was Betreuungsschlüssel und pädagogisches Konzept betrifft.
Was ihr beachten müsst: Impfvorschriften können sich unterscheiden. Gesundheitsversorgung für Kleinkinder im Ausland sorgfältig klären. Und: Das Kindergartenjahr prägt die Sprache — wenn ihr plant, nach Deutschland zurückzukehren, plant auch, wie ihr Deutsch als starke Sprache erhaltet.
Grundschulalter
Die goldene Mitte mit realen Herausforderungen
Kinder in diesem Alter lernen neue Sprachen noch sehr schnell — in der Regel ist ein Kind nach sechs bis neun Monaten in einer lokalen Schule kommunikationsfähig, nach zwei Jahren gleichwertig mit Gleichaltrigen. Das ist beeindruckend und beruhigend.
Gleichzeitig: In diesem Alter beginnen echte Freundschaften, die mit dem Umzug abrupt enden. Das ist kein Drama — aber es ist eine Trauer, die ernst genommen werden muss. Plant Zeit ein für Abschied. Erlaubt eurem Kind, den Abschied zu erleben, nicht zu überspringen.
Schulisch ist das Grundschulalter der zugänglichste Zeitpunkt für einen Systemwechsel. Weder Noten noch Abschlüsse sind hier so festgelegt wie in der Sekundarstufe. Lokale Schule oder Online-Schule — beides ist in diesem Alter gut managebar.
Mittelstufe & frühe Pubertät
Das komplexeste Fenster
Das ist ehrlich gesagt der schwierigste Zeitpunkt für einen Umzug ins Ausland. Kinder in diesem Alter stehen mitten in der Identitätsfindung. Die Peergroup ist in dieser Phase existenziell wichtig — und genau die wird durch den Wegzug zerrissen.
Das bedeutet nicht, dass es nicht funktioniert. Es bedeutet, dass es mehr Zeit braucht, mehr Aufmerksamkeit, mehr aktive Unterstützung beim sozialen Aufbau. Eltern, die das wissen und aktiv handeln — durch Sport, durch Vereine, durch internationale Jugendgruppen, durch Aktivitäten, die Gleichaltrige zusammenbringen — berichten von positiven Erfahrungen. Eltern, die es unterschätzen, berichten von einem Kind, das ein Jahr lang unglücklich ist.
Schulisch ist in diesem Alter die Entscheidung zwischen den Systemen am folgenreichsten. Eine internationale Schule oder Online-Schule mit anerkanntem Abschluss ist für diese Altersgruppe besonders wichtig, wenn eine eventuelle Rückkehr nach Deutschland oder ein Hochschulzugang geplant ist.
Was wirklich hilft: Binde dein Kind aktiv in die Entscheidung ein. Nicht als Abstimmung — aber als echtes Gespräch. Kinder, die das Gefühl haben, dass ihre Meinung gehört wurde, passen sich leichter an.
Oberstufe & Teenager
Abschlüsse & Autonomie im Fokus
Mit Teenagern auszuwandern bedeutet: Die schulische Zukunft muss von Anfang an mitgeplant werden. Ein 16-Jähriger, der in zwei Jahren Abitur machen will, kann nicht einfach in eine lokale Schule gehen und auf Portugiesisch lernen — das funktioniert zeitlich nicht.
Die realistischen Optionen: Internationale Schule mit IB-Abschluss (weltweit für Hochschulzugang anerkannt, auch in Deutschland). Deutsche Auslandsschule, sofern vorhanden. Online-Schule mit deutschem Fernabi oder IB. Oder: Bewusste Entscheidung, den deutschen Abschluss nach dem Auslandsaufenthalt nachzuholen.
Teenager haben außerdem eine eigene Meinung — und ein Recht darauf. Wer mit einem 16-Jährigen auswandert, ohne ihn ernsthaft einzubeziehen, schafft Konflikte, die den Familienalltag im Ausland vergiften. Das klingt hart. Es ist Realität. Eltern, die das ernst nehmen und echte Mitbestimmung ermöglichen, berichten von einer anderen Qualität des gemeinsamen Neuanfangs.
Die besten Länder für Familien — was wirklich zählt
Welches Land ist das beste für eine Familie mit Kindern? Die Antwort hängt ab von: Alter der Kinder, Bildungsweg, Budget, Sprachkenntnisse, Klimapräferenz, Nähe zu Deutschland — und von dem, was sich für eure Familie richtig anfühlt. Hier sind die Länder, die in der Praxis am häufigsten von deutschen Familien gewählt werden — mit einem ehrlichen Blick auf das, was sie für Familien bieten.
Portugal
Homeschooling legal, große deutsche Expat-Community, warmes Klima, sichere Städte, gute Gesundheitsversorgung. IB-Schulen in Lissabon und Porto. Lebenshaltung außerhalb der Zentren familiär gut finanzierbar.
Spanien
Hervorragendes Klima, entspannte Lebensweise, EU-Gesundheitssystem. Internationale Schulen in vielen Städten. Homeschooling regional unterschiedlich toleriert. Spanisch für Kinder schnell erlernbar.
Griechenland
Günstiger EU-Standort, Sicherheit, mediterrane Lebensqualität. Weniger internationale Schulen außerhalb Athens. Ideal für Familien, die lokal integrieren wollen oder Online-Schule nutzen.
Thailand
Sehr familienfreundlich im Alltag, günstig, hervorragendes Essen. Chiang Mai hat starke Worldschooling-Community. Homeschooling legal. Gesundheitsversorgung in Städten ausgezeichnet.
Mexiko
Familienkultur tief verankert, günstig, kulturell reich. Mexiko City und Oaxaca mit wachsenden Expat-Communities. Homeschooling legal. Sicherheitslage regional sehr unterschiedlich — genau recherchieren.
Costa Rica
Eines der sichersten Länder Lateinamerikas, außergewöhnliche Natur, Pura Vida-Mentalität. Homeschooling legal. Internationale Schulen in San José. Ideal für naturverbundene Familien.
Was Familien im Alltag unterschätzen
Es gibt Themen, die in keinem Ratgeber oder Lehrbuch stehen — und die trotzdem über den Familienalltag im Ausland entscheiden. Hier sind die ehrlichsten davon.
Die Sprache der Eltern
Kinder lernen die neue Sprache schneller als Erwachsene. Oft rasend schnell. Das ist wunderbar — und erzeugt gleichzeitig eine Dynamik, die viele Familien überrascht: Das Kind übersetzt für die Eltern. Es führt Gespräche beim Arzt, erklärt dem Vermieter die Situation, handelt auf dem Markt. Das kehrt Rollen um, die für die Elternautorität wichtig sind.
Keine Familie ist davor gefeit — aber wer es weiß, kann bewusst gegensteuern: Eltern lernen die Sprache parallel und aktiv. Nicht perfekt, aber kontinuierlich. Wer das vernachlässigt, wird zunehmend abhängig vom eigenen Kind — und das Kind trägt eine Last, die ihm nicht gehört.
Der Schulalltag und Hausaufgaben
Wenn das Kind in einer lokalen Schule ist und Hausaufgaben auf Portugiesisch oder Spanisch mitbringt — und die Eltern die Sprache noch nicht sprechen — entsteht eine Lücke. Das Kind bekommt keine Hilfe. Für Grundschulkinder kann das frustrierend sein; für ältere Schüler kann es echte schulische Probleme verursachen.
Lösung: Nachhilfe organisieren, Sprachkurs für Eltern parallel beginnen, und in der Anfangszeit bewusst ein Netzwerk aufbauen — andere Expat-Eltern, lokale Eltern, Lehrer, die bereit sind, mehr Zeit zu investieren.
Gesundheitsversorgung für Kinder
Kinderärzte, Zahnarzt, Impfungen, Notaufnahme — all das funktioniert anders im Ausland. In manchen Ländern hervorragend, in anderen lückenhaft. Recherchiere die Kindermedizin in deiner Zielregion genau — nicht die Allgemeinmedizin, sondern spezifisch die Pädiatrie. In Städten ist die Versorgung meist gut; auf dem Land kann es eng werden.
Was vor dem Umzug erledigt sein muss
- Impfbuch aktualisieren.
- Alle ausstehenden Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland wahrnehmen.
- Zahnärztliche Kontrolle abschließen.
- Chronische Erkrankungen mit dem Kinderarzt besprechen und einen Arztbrief in Englisch anfertigen lassen.
- Medikamentenvorrat für mindestens drei Monate mitnehmen — Namen der Medikamente auf Englisch und in der Landessprache kennen.
Geschwister — die vergessene Dynamik
Wenn mehrere Kinder mitziehen, erleben sie denselben Umzug völlig unterschiedlich. Das ältere Kind verliert tief verwurzelte Freundschaften; das jüngere adaptiert schneller. Das kann zu echten Spannungen zwischen Geschwistern führen — weil das eine „anklagt", während das andere sich schon wohl fühlt.
Gib jedem Kind seinen eigenen Raum für seine eigene Erfahrung. Keine Gleichmacherei. Der Dreijährige hat andere Bedürfnisse als der Zwölfjährige — und beide dürfen sie haben.
Die Partnerschaft unter dem Druck des Neuanfangs
Ein Thema, das fast niemand anspricht — und das über den Erfolg des Familienauswanderns entscheiden kann: Was macht der Wegzug mit eurer Beziehung?
Auswandern als Familie bedeutet maximale gemeinsame Zeit — oft mehr, als ihr in Deutschland je hattet. Das ist eine Chance. Es ist aber auch eine Herausforderung. Stress, Ungewissheit, Rollenverschiebungen, finanzielle Unsicherheit, soziale Isolation in der Anfangsphase — all das fällt auf die Partnerschaft zurück.
Familien, die erfolgreich ausgewandert sind, berichten fast alle: Wir haben vorher geredet. Nicht einmal, sondern regelmäßig. Wir haben Erwartungen ausgesprochen, nicht vorausgesetzt. Wir haben uns gegenseitig Raum gegeben, nicht nur gemeinsame Räume gesucht.
„Das Auswandern hat unsere Ehe nicht zerrissen. Aber es hat jede Schwachstelle sichtbar gemacht, die vorher unter dem Alltag vergraben war. Rückblickend war das ein Geschenk."
Deine Familiens-Checkliste — der gesamte Überblick
Vor dem Wegzug — Kinder & Schule
- Kind aktiv und altersgerecht in die Entscheidung einbeziehen
- Schulabmeldung beim deutschen Schulamt klären (je nach Bundesland unterschiedlich)
- Bildungsweg im Zielland entscheiden: lokal, international, online oder Homeschooling
- Zielland auf Homeschooling-Legalität prüfen (bei diesem Bildungsweg)
- Online-Schulanmeldung rechtzeitig — Wartelisten können 3–6 Monate betragen
- IB-Schulen im Zielland recherchieren und Bewerbungsfristen beachten
- Sprachkurs für das Kind vor dem Umzug beginnen (erste Wörter nehmen Angst)
- Zeugnisse, Schulberichte und Impfbuch ins Englische übersetzen lassen
- Alle ausstehenden Kinderarzttermine, Zahnarztkontrolle, Vorsorgen wahrnehmen
- Medikamentenvorrat (3 Monate), Medikamentennamen auf Englisch notieren
- Kinderarzt im Zielland recherchieren — vor der Ankunft, nicht danach
Im Zielland — erste Monate
- Routinen sofort aufbauen: feste Aufstehzeiten, Mahlzeiten, Schlafzeiten
- Soziale Aktivitäten für das Kind ab Woche 2 aktiv suchen (Sport, Gruppen)
- Eigenen Sprachkurs beginnen — nicht warten, bis das Kind besser ist als du
- Hausaufgaben-Unterstützung organisieren, wenn lokale Schule gewählt wurde
- Worldschooler-Communities im Zielland suchen (Facebook-Gruppen, Meetups)
- Deutschen Kontakt zur Schule halten — für eine eventuelle spätere Rückkehr
- Kind beobachten: Appetit, Schlaf, Sozialverhalten — stille Stresssignale erkennen
- Regelmäßige Gespräche über das Erleben — nicht nur fragen ob es gut ist
- Videoanrufe mit Großeltern und Freunden in Deutschland strukturiert einplanen
- Eigene Erwachsene Sozialkontakte aktiv aufbauen — die Eltern brauchen auch ein Netz
Was bleibt: Das Geschenk, das Kinder im Ausland erhalten
Zum Schluss das, was sich nicht in eine Checkliste schreiben lässt — aber das Wichtigste ist.
Kinder, die als Familie ausgewandert sind, beschreiben sich als Erwachsene fast durchgängig als weltoffener, anpassungsfähiger, empathischer. Sie sprechen mehrere Sprachen. Sie haben gelernt, sich in unbekannten Situationen zu bewegen. Sie kennen das Gefühl, von vorne anzufangen — und wissen, dass sie es können.
Sie haben gelernt, dass Heimat kein Ort ist. Dass Freundschaft keine gemeinsame Vergangenheit braucht, um tief zu sein. Und dass die Welt größer und gleichzeitig kleiner ist, als sie in der Schule beigebracht bekommen hätten.
Das ist kein abstraktes pädagogisches Ziel. Das sind echte Menschen mit einem anderen Blick auf die Welt. Und diesen Blick haben sie, weil ihre Eltern mutig genug waren, aufzubrechen — auch wenn es kompliziert war. Gerade weil es kompliziert war.
„Meine Kinder haben nicht trotz des Auswanderns eine glückliche Kindheit gehabt. Sie haben eine glückliche Kindheit gehabt, weil wir ausgewandert sind."
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Bildungs- oder psychologische Beratung. Für schulrechtliche Fragen wende dich an das zuständige Schulamt deines Bundeslands. Für internationale Bildungswege empfehlen wir die Beratung durch spezialisierte Expat-Bildungsberater oder die Botschaft des Ziellandes in Deutschland.